Warum Kurbelgehäuse-Blow-by schwieriger zu filtrieren ist als gedacht
Jeder Verbrennungsmotor erzeugt Blow-by-Gas — ein Gemisch aus Verbrennungsgasen, unverbranntem Kraftstoff und Ölnebel, das an den Kolbenringen vorbei ins Kurbelgehäuse gelangt. Bei einem typischen Dieselgenerator oder Gasmotor entspricht Blow-by 0,5–1,5 % des Gesamtluftstroms, doch seine Zusammensetzung macht ihn zu einem der aggressivsten Gasströme, dem ein Koaleszenzfilter jemals ausgesetzt wird.
Anders als der vergleichsweise saubere Ölaerosol im Abgas einer Vakuumpumpe enthält Blow-by-Gas ein Gemisch verschiedener Schadstoffe:
- Ölnebel und Aerosol: Submikrone Tröpfchen (0,1–1,0 µm) aus Schmieröl, häufig durch Wärme teilweise degradiert
- Ruß und Kohlenstoffpartikel: Harte, abrasive Partikel aus unvollständiger Verbrennung — besonders ausgeprägt bei Dieselmotoren
- Saure Kondensate: Wasserdampf in Verbindung mit Schwefel- und Stickoxiden bildet korrosive Säuren (Schwefelsäure, Salpetersäure)
- Unverbrannte Kohlenwasserstoffe: Kraftstoffdampf und teilverbrannte Verbindungen, die das Filtermedium angreifen können
Warum Standardelemente hier versagen
Standard-Koaleszenzelemente, die für Druckluft- oder Vakuumpumpenanwendungen ausgelegt sind, können der Rußbeladung und den sauren Bedingungen im Motorblowby schlicht nicht standhalten. Der Einsatz falscher Elemente führt zu Wartungsintervallen von wenigen hundert statt mehrerer tausend Betriebsstunden.
CCV vs. OCV — zwei Konzepte, unterschiedliche Filtrationsanforderungen
| Merkmal | Geschlossene Kurbelgehäuseentlüftung (CCV) | Offene Kurbelgehäuseentlüftung (OCV) |
|---|---|---|
| Abgasführung | Gefiltertes Gas wird dem Motoransaugtrakt zurückgeführt | Gefiltertes Gas wird an die Atmosphäre abgegeben |
| Hauptanforderung | Emissionskonformität (TIER, STAGE V, TA Luft) | Anlagenschutz, Sauberkeit des Ansaugtrakts |
| Ölrückgewinnung | Koalesziertes Öl wird in die Ölwanne zurückgeführt | Koalesziertes Öl in Ölwanne oder Auffangbehälter |
| Gegendruck-Empfindlichkeit | Kritisch — übermäßige Drosselung beeinträchtigt den Motor | Moderat |
| Erforderlicher Abscheidegrad | Typisch >95 % bei 0,3 µm | Variabel — abhängig von Vorschriften |
| Typische Anwendung | Rechenzentren, Krankenhäuser, Marine | Abgelegene Anlagen, belüftete Maschinenräume |
Auswirkungen der CCV auf Turbolader
In CCV-Systemen gelangt das gefilterte Gas vor dem Turbolader in den Motoransaugtrakt zurück. Öl oder Ruß, der das Filterelement passiert, belegt Turboladerschaufeln, verschmutzt Ladeluftkühler und beschleunigt den Verschleiß. Branchendaten zufolge sind 15–20 % aller Turboladerschäden auf eine unzureichende Kurbelgehäuseentlüftungsfiltration zurückzuführen.
Was die Standzeit von Filterelementen bestimmt
Die häufigste Beschwerde bei Kurbelgehäuseentlüftungsfiltern ist der vorzeitige Elementausfall. Die Ursachen sind nahezu immer dieselben:
Rußbeladung
Ruß lagert sich dauerhaft im Filtermedium ab. Anders als Flüssigkeit kann er nicht ablaufen. Mit zunehmender Rußblockierung der Koaleszenzkanäle steigt der Differenzdruck an.
Angriff durch saure Kondensate
Unterhalb des Taupunkts (Kaltstarts, Teillastbetrieb) bilden sich Säuren, die Glasfasermedien und Bindeharze im Laufe der Zeit degradieren.
Falsche Elementspezifikation
Standard-Koaleszenzelemente für Druckluft verfügen weder über die erforderliche Rußaufnahmekapazität noch über die chemische Beständigkeit für motorisches Blow-by.
Fehlende Vorabscheidung
Ohne vorgeschaltete Vorabscheidung gelangt Grobstaub direkt auf das feine Koaleszenzmedium und verkürzt die Standzeit erheblich.
Das richtige Koaleszenzelement für CCV-Anwendungen auswählen
| Auswahlkriterium | Worauf zu achten ist |
|---|---|
| Medientyp | Borosilikat-Glasfaser mit säurebeständigem Bindemittel. Zellulose-basierte Medien bei hoher Rußbelastung oder sauren Bedingungen vermeiden. |
| Rußaufnahmekapazität | Tiefenfiltermedien mit progressiver Dichte und abgestufter Porenstruktur bieten höhere Kapazität als homogene Elemente. |
| Ölableitung | Koalesziertes Öl muss ungehindert ablaufen können. Korrekte Elementausrichtung und ausreichend dimensionierte Gehäuseabläufe sind zwingend erforderlich. |
| Temperaturbeständigkeit | Blow-by kann in aufgeladenen Motoren 120–150 °C erreichen. Alle Werkstoffe müssen dauerhafter thermischer Belastung standhalten. |
| Chemische Beständigkeit | Beständigkeit gegen Kondensate mit pH 2–4, Kohlenwasserstofflösungsmittel und degradiertes Schmieröl. |
| Gehäuse-Gegendruck | CCV-Systeme reagieren sehr empfindlich auf Drosselung. Ein niedriger Sauberdruckverlust des Elements lässt Spielraum für Rußbeladung. |
Bewährte Verfahren zur Systemauslegung
Vorabscheidung
Bei Diesel- und rußintensiven Anwendungen einen Trägheits- oder Zentrifugalabscheider dem Koaleszenzfilter vorschalten.
Gehäuse überdimensionieren
Reduziert die Mediengeschwindigkeit, senkt den Differenzdruck und verlängert die Wartungsintervalle. Zunehmenden Blow-by bei verschleißenden Kolbenringen einkalkulieren.
Differenzdruck überwachen
Ein Differenzdruckmessgerät oder -transmitter ist die einzige zuverlässige Methode zur Beurteilung des Elementzustands. Zeitbasierte Wartungspläne sind unzuverlässig.
Temperatur kontrollieren
Gas oberhalb des Säuretaupunkts (~120 °C bei Diesel) halten. In kalten Klimazonen können isolierte oder beheizte Gehäuse erforderlich sein.
Ölablaufführung
Sicherstellen, dass koalesziertes Öl kontinuierlich durch Schwerkraft in das Kurbelgehäuse zurückfließt. Ablaufleitungen müssen ausreichend dimensioniert und frei von Verengungen sein. In CCV-Systemen verhindert ein Rückschlagventil, dass der Ansaugunterdruck Luft durch den Ablauf zurückzieht.
Anwendungen, bei denen CCV-Filtration entscheidend ist
- Stationäre Stromerzeugung: Diesel- und Gasgeneratoren im 24/7-Betrieb in Rechenzentren, Krankenhäusern und kritischer Infrastruktur. Geschlossene Aufstellungsorte erfordern CCV mit hocheffizienter Filtration gemäß TA Luft.
- Biogas- und Deponiegasmotoren: Verunreinigungen im Brenngas (Siloxane, H₂S, Feuchtigkeit) machen Blow-by besonders aggressiv. Beschleunigte Ruß- und Säurekondensat-Bildung.
- Marine-Hauptantrieb und Hilfsaggregate: IMO TIER III und lokale Hafenvorschriften fordern zunehmend geschlossene Kurbelgehäuseentlüftung. Vibrationen und Schiffsbewegungen erzeugen zusätzliche mechanische Beanspruchung.
- BHKW / Kraft-Wärme-Kopplung: Kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung in städtischen Umgebungen mit strengen Emissionsanforderungen und begrenzten Wartungsfenstern.
- Bergbau und Bauwesen: Motorenbetrieb in geschlossenen oder halboffenen Bereichen wie Tunneln, Bergwerken und beengten Räumen erfordert eine wirksame Blow-by-Filtration.
Der Zusammenhang mit der Vakuumpumpenfiltration
Gleiche Technologie, härtere Bedingungen
Die Kurbelgehäuseentlüftungsfiltration basiert auf derselben grundlegenden Koaleszenztechnologie wie die Vakuumpumpenabgasfiltration. Der Unterschied: Motorisches Blow-by bringt Ruß, Säuren und höhere Temperaturen mit sich und erfordert robustere Elemente sowie häufig eine vorgeschaltete Abscheidestufe. Unsere RF-CS-Serienelemente und RF-H-420/456-Seriengehäuse decken beide Anwendungen ab — mit Edelstahl-Ausführungen RF-H-420S–456S, die für erhöhte Blow-by-Temperaturen bis 200 °C ausgelegt sind.
Kernaussage
Wenn die Standzeit von CCV-Filterelementen enttäuschend kurz ist, liegt die Ursache fast immer in einem von vier Faktoren: übermäßige Rußbeladung, Angriff durch saure Kondensate, falsche Elementspezifikation oder fehlende Vorabscheidung. All diese Ursachen lassen sich durch die richtige Elementauswahl und Systemauslegung beheben.
Den richtigen CCV-Filter spezifizieren
Motortyp, Betriebsbedingungen und Volumenstrom eingeben — das Engineering-Tool empfiehlt passende Gehäuse und Elemente für Ihre Anwendung.
Bei vorzeitigem Elementausfall oder bei der Auslegung eines neuen Systems wenden Sie sich an unsere Filtrationsexperten. Wir analysieren Ihre Betriebsbedingungen und empfehlen den geeigneten Elementtyp, die passende Effizienzklasse sowie Verbesserungen der Systemauslegung.



