Die Wahl des falschen Gasfiltergehäuses fällt selten beim Kauf auf – sie zeigt sich erst Monate später, wenn eine Dichtung bei erhöhter Temperatur versagt, ein Polycarbonat-Behälter unter einem Druckstoß bricht oder ein Kohlenstoffstahlgehäuse in Gegenwart von Schwefelwasserstoff korrodiert. Dieser Leitfaden führt durch die vier wichtigsten Auswahlparameter – Betriebsdruck, Temperatur, Gaszusammensetzung und Anschlussart – und ordnet sie dem R+F FilterElements Gehäuseprogramm zu, damit Sie sicher spezifizieren können.
Schritt 1 — Betriebsdruck festlegen
Der Druck ist der primäre Auswahlparameter für Gasfiltergehäuse. R+F FilterElements bietet Gehäuse in vier Druckstufen an, die jeweils einem bestimmten Material und einer bestimmten Bauweise entsprechen:
| Druckbereich | Typisches Gehäusematerial | R+F Gehäuseserie | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| ≤ 10 bar | Polycarbonat-Behälter / Aluminiumkopf | RF-H-310 bis RF-H-395 | Druckluft, Instrumentenluft |
| ≤ 17 bar | Aluminium (Vollmetall) | RF-H-310 bis RF-H-395 (AM) | Druckluft, Vakuumabluft |
| ≤ 100 bar | 316L Edelstahl | RF-H-150 | Prozessgas, CNG, Biogas |
| ≤ 250 bar | 316L Edelstahl | RF-H-160 | Mitteldruckprozessgas, Wasserstoff |
| ≤ 400–700 bar | 316L Edelstahl (HP) | RF-H-170 | Analysatorschutz, Hochdruck-Wasserstoff |
Für Prozessgasanwendungen sind Polycarbonat-Behälter grundsätzlich ungeeignet – selbst bei niedrigen Drücken – da viele Prozessgase (Kohlenwasserstoffe, Lösungsmittel, aggressive Chemikalien) Polycarbonat angreifen. Spezifizieren Sie von Anfang an Vollmetallgehäuse.
Schritt 2 — Temperaturbereich und Dichtungsmaterial
Die Temperatur beeinflusst sowohl das Gehäuse selbst als auch – entscheidend – die Elastomerdichtungen. Ein Gehäuse mit 200 °C Nenntemperatur ist nur so gut wie sein Dichtungsmaterial bei dieser Temperatur. Das R+F FilterElements Programm deckt den Bereich von kryogen bis hochtemperatur ab:
- NBR-Dichtungen — Standardbetrieb, –10 °C bis +100 °C. Geeignet für Druckluft, Stickstoff, Inertgase.
- FKM/Viton-Dichtungen — Hochtemperatur, –20 °C bis +200 °C. Empfohlen für Kohlenwasserstoffe, aggressive Prozessgase und dampfbegleitete Leitungen.
- EPDM-O₂-Dichtungen — Sauerstoffbetrieb, –40 °C bis +150 °C. Pflicht für sauerstoffangereicherte Ströme zur Vermeidung von Zündrisiken.
- PTFE-Dichtungen — chemisch inert, –196 °C bis +260 °C. Eingesetzt im kryogenen LNG/LH₂-Betrieb und in Ultrarein-Halbleiteranwendungen.
Schritt 3 — Gehäusematerialauswahl nach Gaszusammensetzung
Die Gaszusammensetzung bestimmt die Korrosionsschutzanforderung. Das R+F FilterElements Gehäuseprogramm umfasst fünf Materialstufen:
Polycarbonat (Sichtbehälter) — ≤ 17 bar, nur trockene Inertgase
Polycarbonat-Behälter bieten eine visuelle Flüssigkeitsstandsanzeige, nützlich für Druckluftabscheider. Sie sind auf trockene, inerte, nicht aggressive Gase beschränkt und dürfen niemals mit Kohlenwasserstoffen, Lösungsmitteln oder Prozessgasen eingesetzt werden. Maximal 17 bar, 60 °C.
Aluminium — ≤ 17 bar, Druckluft und Inertgase
Aluminiumgehäuse (RF-H-310 bis RF-H-395 Serie) sind das Arbeitspferd der Druckluftfiltration. Leicht, kosteneffizient und in einem breiten Durchflussbereich bis 12.000 Nm³/h verfügbar. Nicht geeignet für feuchtes Chlor, starke Säuren oder alkalische Gase.
316L Edelstahl — ≤ 700 bar, Prozessgas-Standard
316L Edelstahl ist das Standardmaterial für Prozessgasfiltergehäuse. Es verarbeitet die Mehrzahl industrieller Gase – Stickstoff, Wasserstoff, Erdgas, Biogas, CO₂, Argon – über den gesamten Druckbereich. Die Gehäuse RF-H-150, RF-H-160 und RF-H-170 sind alle in 316L-Edelstahlausführung erhältlich von R+F FilterElements.
Duplex-Edelstahl — Extreme Korrosionsumgebungen
Duplex-Edelstahl (z. B. 2205) bietet etwa die doppelte Streckgrenze von 316L und deutlich bessere Beständigkeit gegen Chlorid-Spannungsrisskorrosion. Spezifiziert für Offshore-Gasverarbeitung, chlorhaltige Ströme und meerwassergekühlte Systeme, bei denen 316L Lochkorrosion erleiden würde.
Hastelloy C-276 — Auf Anfrage, aggressive chemische Anwendungen
Hastelloy C-276 bietet hervorragende Beständigkeit gegen oxidierende Säuren, feuchtes Chlor und Mischsäureumgebungen. Von R+F FilterElements auf Anfrage für spezialisierte chemische Prozessanwendungen erhältlich.
Flansch (ASME B16.5 / EN 1092-1)
Schritt 4 — Anschlussart und Rohrleitungsintegration
Die Wahl des Anschlussstandards wird oft übersehen – bis zur Installation, wo Fehlanpassungen kostspielig sind. Das R+F FilterElements Gehäuseprogramm unterstützt alle wichtigen industriellen Anschlussstandards:
- BSP (G-Gewinde) — Standard in europäischen Druckluft- und Prozessgassystemen. Verfügbar an RF-H-150 und RF-H-310 bis RF-H-395 Serie.
- NPT-Gewinde — Nordamerikanischer Standard, verbreitet in LNG-, CNG- und US-spezifizierten Prozessanlagen.
- SAE-Anschlüsse — Eingesetzt in Hydraulik- und Hochdruckgassystemen, insbesondere für kompakte Instrumentierungsfiltergehäuse.
- Flansch (ASME B16.5 / EN 1092-1) — Erforderlich für großnennige Prozessgasleitungen und Hochdruckanwendungen, bei denen Gewindeanschlüsse nach Anlagenstandards nicht zulässig sind.
Bei der Spezifikation für eine Neuinstallation den Rohrleitungsstandard der Anlage vor der Bestellung bestätigen. Die Nachrüstung eines BSP-Gehäuses in ein NPT-System erfordert Adapter, die potenzielle Leckstellen einführen – besonders problematisch im Wasserstoff- oder Giftgasbetrieb.
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Filterelemente dem Gehäuse zuordnen
Das Gehäuse ist nur die halbe Lösung. Die Filterelementsauswahl muss der Aufgabe entsprechen:
- RF-C Koaleszenzelemente — entfernen Flüssigkeitsaerosole und Ölnebel auf < 0,01 mg/m³. Borosilikat-Glasmikrofaser, 99,99% Abscheidegrad ≥ 0,01 µm. Für feuchte Gasströme vor Analysatoren oder Kompressoren.
- RF-P Partikelelemente — entfernen Feststoffpartikel ≥ 0,01 µm mit 99,99% Abscheidegrad. Für trockene Gasströme mit Partikelschutzanforderung.
- RF-AC Adsorptionselemente — Aktivkohle, Restölgehalt < 0,003 mg/m³. Für Ölabscheidung in Lebensmittel-, Pharma- und Elektronikindustrie.
- Sintermetallelemente — bis 450 °C ausgelegt, für Hochtemperatur-Prozessgas und Dampfbetrieb, wo Polymerelemente versagen würden.
Für den Punktschutz in Instrumentierungsleitungen bietet der RF-DIL Einweg-Inline-Filter eine kompakte, kostengünstige Lösung ohne separates Gehäuse. Für Wasserstoffanwendungen siehe unseren speziellen Leitfaden zur Wasserstoffelektrolyse-Filtration.
Sauergas- und H₂S-Betrieb
Schwefelwasserstoff (H₂S) – vorhanden in Erdgas, Biogas und Raffinerie-Abgasen – erfordert besondere Materialaufmerksamkeit. Standard-316L-Edelstahl ist bei niedrigen H₂S-Konzentrationen generell akzeptabel, aber bei erhöhten Partialdrücken wird Sulfid-Spannungsrisskorrosion (SSC) zum Risiko. Für Sauergasbetrieb:
- K-Typ-Filterelemente (Sauergasausführung) für die Elementinnenbauteile spezifizieren
- Gehäusematerial-Konformität mit NACE MR0175 / ISO 15156 für die H₂S-Partialdruck- und Temperaturkombination bestätigen
- Duplex-Edelstahl oder Hastelloy bei hohen H₂S-Konzentrationen in Betracht ziehen
Das R+F Prozessgasfilter-Programm umfasst K-Typ-Elementoptionen für Sauergasbetrieb. Wenden Sie sich an das R+F FilterElements Ingenieurteam für Materialzertifizierungsanforderungen bei NACE-konformen Spezifikationen.
- Der Druck ist der primäre Auswahlparameter für Gasfiltergehäuse.
- Die Temperatur beeinflusst sowohl das Gehäuse selbst als auch – entscheidend – die Elastomerdichtungen.
- Die Gaszusammensetzung bestimmt die Korrosionsschutzanforderung.
- Flansch (ASME B16.5 / EN 1092-1)
Praktische Auswahlcheckliste
Vor der Bestellung eines Gasfiltergehäuses folgende Punkte bestätigen:
- Maximal zulässiger Betriebsdruck (MAWP) mit angemessenem Sicherheitsfaktor
- Betriebstemperaturbereich (Minimum und Maximum)
- Gaszusammensetzung – einschließlich Spurenverunreinigungen (H₂S, Chloride, Feuchtigkeit)
- Erforderliche Filtrationsaufgabe (Koaleszenz, Partikel, Adsorption)
- Anschlussstandard und Rohrleitungsnennweite
- Dichtungsmaterialkompatibilität mit Gas und Temperatur
- Regulatorische Anforderungen (ATEX, PED, NACE, Sauerstoffbetrieb)
- Elementwechselzugang und Wartungsraum
Nutzen Sie das R+F Engineering-Auslegungstool, um Ihre Parameter mit dem verfügbaren Gehäuseprogramm abzugleichen und eine vorläufige Spezifikation zu erstellen. Für komplexe oder nicht standardmäßige Aufgaben kann das R+F FilterElements Ingenieurteam bei der Materialauswahl beraten und zertifizierte Dokumentation bereitstellen.


