Synthesegas — das Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, das durch Reformierung oder Vergasung von Kohlenwasserstoffen, Biomasse oder Kohle erzeugt wird — gehört zu den anspruchsvollsten Prozessgasen überhaupt. Hohe Temperaturen, Katalysatorstaub, Teeraerosole und Schwefelverbindungen schaffen ein Filtrationsumfeld, das konventionelle Filtermedien weit über ihre Auslegungsgrenzen hinaus belastet. Eine durchdachte Filtrationsstrategie ist dabei nicht nur eine Frage der Produktqualität: Sie entscheidet direkt über die Lebensdauer von Katalysatoren, die Zuverlässigkeit nachgelagerter Anlagen und die Betriebssicherheit der gesamten Anlage.
Warum Synthesegas-Filtration besondere Anforderungen stellt
Die meisten industriellen Gasfiltrationsprozesse laufen unterhalb von 200 °C mit vergleichsweise sauberen, trockenen Gasströmen ab. Synthesegas ist die Ausnahme. Je nach vorgelagertem Prozess kann das Gas enthalten:
- Katalysatorfeinstaub — Nickel- oder Eisenpartikel aus Reformer- oder Fischer-Tropsch-Katalysatorbetten, typischerweise 1–50 µm
- Teeraerosole — kondensierbare Kohlenwasserstoffe, die bei niedrigeren Temperaturen auf Filteroberflächen polymerisieren
- Schwefelverbindungen — H₂S, COS und Mercaptane, die Standard-Dichtungswerkstoffe und bestimmte Metalllegierungen angreifen
- Hochtemperatur-Partikel — Asche und Koks aus der Vergasung, oft abrasiv und unregelmäßig geformt
Die Kombination aus hoher Temperatur und chemisch aggressiven Verunreinigungen schließt polymerbasierte Filtermedien vollständig aus. Selbst die S-Typ-Borosilikat-Elemente mit einer Auslegungstemperatur von 200 °C — die in Vakuumpumpen-Abgasanwendungen erfolgreich eingesetzt werden — können dem thermischen und chemischen Umfeld eines Synthesegaskreislaufs nicht standhalten. Die Lösung liegt in der Sintermetall-Filtration.
Sintermetall-Elemente: Das einzig geeignete Medium
Sintermetall-Filterelemente werden durch Verdichten und Sintern von Metallpulvern — typischerweise 316L Edelstahl, Hastelloy C-276 oder Inconel — zu einer starren, selbsttragenden porösen Struktur hergestellt. Im Gegensatz zu faserbasierten Medien bieten Sintermetall-Elemente:
- Dauerbetriebstemperaturen bis zu 450 °C (höher mit Speziallegierungen)
- Absolute Filtrationsgrade von 0,5 µm bis 100 µm
- Vollständige Regenerierbarkeit durch Rückspülung, Gegenstromspülung oder chemische Reinigung
- Beständigkeit gegenüber H₂S, CO und reduzierenden Atmosphären
- Mechanische Festigkeit für Differenzdrücke bis 50 bar
R+F FilterElements bietet Sintermetall-Elemente als Teil seines Prozessgas-Filterprogramms an, dimensioniert für R+F-eigene Gehäuse sowie für Fremdgefäße. Für Synthesegas-Anwendungen empfiehlt sich als Ausgangspunkt das RF-H-160-Gehäuse (250 bar ausgelegt, 316L Edelstahl) mit Sintermetall-Elementen aus Hastelloy C-276 für Sauergas-Umgebungen oder aus 316L für saubere Reformer-Anwendungen.
Filtrationsstufen in einem typischen Synthesegas-Prozesszug
Ein gut ausgelegter Synthesegas-Filtrationszug umfasst typischerweise drei Stufen, die jeweils eine andere Schadstoffklasse adressieren:
Stufe 1 — Heißgas-Partikelabscheidung (vor dem Shift-Reaktor)
Unmittelbar nach dem Reformer oder Vergaser sind die Gastemperaturen am höchsten und die Partikelbeladung am größten. Sintermetall-Elemente mit einer Auslegungstemperatur von 450 °C entfernen Katalysatorfeinstaub und Koks, bevor sie das Katalysatorbett des Wassergas-Shift-Reaktors (WGS) verschmutzen können. Das RF-H-160-Gehäuse mit seinem Druckauslegung von 250 bar und vollständig aus Edelstahl gefertigter Konstruktion ist für diese Aufgabe bestens geeignet. Die Elementporengröße beträgt in dieser Stufe typischerweise 5–20 µm — fein genug, um den Shift-Katalysator zu schützen, grob genug, um bei hoher Staubbeladung einen akzeptablen Druckabfall zu gewährleisten.
Stufe 2 — Zwischenfiltration (nach Shift, vor Methanisierung oder PSA)
Nach dem Shift-Reaktor sinkt die Gastemperatur auf 200–350 °C. In dieser Stufe schützt eine feinere Filtration (1–5 µm) den Druckwechseladsorptions-Adsorbenten (PSA) oder den Methanisierungskatalysator vor Restfeinstaub. Die RF-C-Koaleszenzelemente in S-Typ-Ausführung (200 °C ausgelegt) können hier eingesetzt werden, sofern die Temperaturen es erlauben; andernfalls bleiben Sintermetall-Elemente die bevorzugte Wahl.
Stufe 3 — Polier-Filtration (Produktgas)
Das endgültige Produktgas — ob Wasserstoff, Methanol-Synthesegas oder Fischer-Tropsch-Einsatzstoff — erfordert eine Submikron-Polierung, um die Spezifikationen nachgelagerter Katalysatoren oder Reinheitsanforderungen zu erfüllen. In dieser Stufe liegen die Gastemperaturen typischerweise unter 100 °C, und das gesamte R+F-Filterelement-Programm steht zur Verfügung. Das RF-C-25178-Koaleszenzelement (99,99 % Abscheidegrad ≥ 0,1 µm) in einem RF-H-150- oder RF-H-160-Gehäuse bildet die letzte Barriere vor dem Produktgassammler.
Hilfe bei der Filterwahl für Ihre Synthesegas-Anwendung?
Filtermedium-Auswahl nach Synthesegas-Quelle
| Synthesegas-Quelle | Temp.-Bereich | Hauptverunreinigungen | Empfohlenes Element | R+F-Gehäuse |
|---|---|---|---|---|
| Dampf-Methan-Reformer (SMR) | 300–800 °C | Ni-Katalysatorfeinstaub, Dampf | Sintermetall 316L, 5–20 µm | RF-H-160 |
| Kohle-/Biomasse-Vergaser | 400–900 °C | Asche, Koks, Teer, H₂S | Sintermetall Hastelloy, 10–50 µm | RF-H-160 / RF-H-170 |
| Autothermer Reformer (ATR) | 200–600 °C | Katalysatorfeinstaub, CO₂ | Sintermetall 316L, 2–10 µm | RF-H-150 / RF-H-160 |
| Nach Shift / PSA-Einsatz | 40–200 °C | Restfeinstaub, Feuchtigkeit | RF-C S-Typ oder Sintermetall 1 µm | RF-H-150 |
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Dichtungswerkstoffe und Gehäuseauslegung
In sauren Synthesegasströmen mit H₂S-Gehalt versagen Standard-NBR-Dichtungen schnell. R+F empfiehlt FKM/Viton-Dichtungen für Temperaturen bis 200 °C oder PTFE-ummantelte Dichtungen für die aggressivsten Sauergas-Umgebungen. Bei der K-Typ-Sauergas-Elementkonfiguration muss auch das Gehäuse aus einer korrosionsbeständigen Legierung gefertigt sein — mindestens 316L Edelstahl, Duplex oder Hastelloy bei hohen H₂S-Konzentrationen.
Druckauslegungen sind ebenso entscheidend. Synthesegaskreisläufe in Ammoniak- oder Methanolanlagen arbeiten häufig bei 80–250 bar. Die RF-H-160 (250 bar)- und RF-H-170 (400 bar)-Gehäuse decken den gesamten Bereich der in der industriellen Praxis vorkommenden Synthesegas-Kreislaufdrücke ab. Beide sind in ATEX-konformer Ausführung für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen erhältlich.
Für Anwendungen, bei denen die Synthesegas-Reinheit kritisch ist — etwa als Brennstoffzellen-Einsatzstoff oder bei der Produktion von Wasserstoff in Halbleiterqualität — gelten die in unserem Elektrolyse-Artikel beschriebenen Wasserstoff-Filtrationsanforderungen gleichermaßen für reformerbasierte Wasserstoffströme.
Regenerations- und Wartungsstrategie
Einer der wesentlichen Vorteile von Sintermetall-Elementen gegenüber Einweg-Faserelementen ist ihre Regenerierbarkeit. In staubintensiven Synthesegas-Anwendungen können Elemente mit sauberem Stickstoff oder Produktgas rückgespült werden, um abgelagerten Filterkuchen abzulösen und die Durchflusskapazität ohne Elementaustausch wiederherzustellen. Ein typischer Rückspülzyklus für eine Vergaser-Anwendung wird alle 4–8 Stunden auf Basis des Differenzdrucks ausgelöst; Elemente erfordern je nach Schadstoffchemie alle 12–24 Monate eine chemische Reinigung (Laugen- oder Säurewäsche).
Das Ingenieurteam von R+F unterstützt bei der Auslegung des Rückspülsystems — Behältervolumen, Impulsdruck und Ventilauslegung — im Rahmen des Engineering-Sizing-Tools. Für komplexe Synthesegas-Anwendungen sollte ein detailliertes Prozessdatenblatt (Temperatur, Druck, Durchfluss, Gaszusammensetzung, Staubbeladung) über das Projektanfrage-Formular eingereicht werden, um eine maßgeschneiderte Empfehlung zu erhalten.
- Hochtemperatur-Partikel
- Sintermetall-Filterelemente werden durch Verdichten und Sintern von Metallpulvern — typischerweise 316L Edelstahl, Hastelloy C-276 oder Inconel — zu einer starren, selbsttragenden porösen Struktur hergestellt.
- Ein gut ausgelegter Synthesegas-Filtrationszug umfasst typischerweise drei Stufen, die jeweils eine andere Schadstoffklasse adressieren:
- In sauren Synthesegasströmen mit H₂S-Gehalt versagen Standard-NBR-Dichtungen schnell.
Weiterführende Artikel
- Wasserstoff-Elektrolyse-Filtration — Schutz von Elektrolyseuren und nachgelagerten Anlagen
- Koaleszenzelemente vs. Partikelelemente — Was brauchen Sie?
- Sauerstoff-Filtrationssicherheit — Warum Standardfilter nicht ausreichen
Zum Engineering-Tool → oder Anforderungen besprechen mit unserem Team.



